Kawasaki GPZ 900R - Tune Up !

Tune-Up Kawasaki GPZ 900R aus der Zeitschrift PS 10/1992 (Auszug)


Oldtimer-Grand Prix

Der Altsportler Kawasaki GPZ 900R hat auch nach 9 Jahren Bauzeit immer noch jede Menge Feuer im Triebwerk. Ob sich Reifen, Bremsen und Federelemente heutigen Ansprüchen anpassen lassen, hat PS im Tune-Up ausprobiert.
Wenn sich die mehr als fünf Zentner Stahl und Aluminium der GPZ in weniger als 8.40 Minuten um die Nürburgring-Nordschleife bewegen lassen, dann muss schon was dran sein an dem sportlichen Ruf des legendären Kraftpakets. Mit von der Partie waren das ältere Modell mit 16" Vorderrad (84-89) und die Version mit dem 17" Vorderrad (90-).

Reifen für die alte Kawasaki (-1989) vorne 16"/hinten 18"

Die Reifenfreigaben der 900R sind zahlreich. Dazu aber eine Vorbemerkung: Das Fahrwerk der GPZ 900R galt zwar 1984 als vorbildlich, ist aber mittlerweile in Ehren ergraut und bis auf Kleinigkeiten kaum modifiziert worden. Wir haben also bei den Reifentests besonderen Wert auf die Disziplinen sicherer Geradeauslauf, gute Eigendämpfung im Hochgeschwindigkeitsbereich und gutmütiger Übergang zwischen Rollen und Rutschen im Grenzbereich gelegt. Im Übrigen reagierte die GPZ 900R auf verschiedene Reifenkombinationen höchst unterschiedlich wie bei keinem Tune-Up der letzten Jahre. Die beste Einstellung des hinteren Federbeins für die Reifentests bei beiden Modellen war eine mit 1,5 bar Druckluft angehobene Federvorspannung und Zugstufendämpfung 4.
Avon Super Venom AM16/17 AM18:
Das Handling der GPZ ist mit dem Avon zwar ziemlich behäbig, was eindeutig mit der Kontur des Vorderreifens zusammenhängt; auch ein spürbares Aufstellmoment beim Bremsen geht auf das Konto des Vorderreifens. Dafür verhält sich die Hinterhand auf Bodenwellen neutral. Der Geradeauslauf ist mit dem Avon gut. Dasselbe gilt für das Verhalten in welligen Kurven. Der Grip ist bei Trockenheit und Nässe durchaus respektabel. Der Reifen kündigt seine Haftungsgrenze weich und kontrollierbar an. Kickback findet nicht statt, was im Übrigen für fast alle anderen Reifen gilt. Es kommt allenfalls zu gelegentlichem Wegtrampeln in Schräglage (Chattering) aufgrund der etwas schwach gedämpften Vorderradgabel, was der Avon aber gut dämpft.
Bridgestone Exedra L303/G516 und G511/G516:
Wurden aufgrund des Seltenheitswertes nicht getestet.
Dunlop F17/K727 (Erstausrüstung):
Der immerhin 7 Jahre alte Vorderreifen überzeugte mit guten Allroundeigenschaften. Leicht träges, aber sehr berechnendes Handling ohne sonderliches Aufstellmoment, sehr sicherer Geradeauslauf. Der Reifen scheint allerdings eine ziemlich geringe Eigendämpfung zu haben. Die Gabel neigte beim heruasbeschleunigen zu leichten Lenkerbewegungen und dazu vibrierte sie ein wenig. Die Grenzen des Vorder- und Hinterrades werden zwar schon relativ früh erreicht, es reicht aber durchaus für zügige Runden auf der Nordschleife. Fazit: Ein unauffällig guter Reifen.
(Anmerkung von Patrick: Der Reifen kann bei Nässe relativ schnell und ohne grosse Ankündigung den Grip verlieren, was auch einige andere Fahrer des Reifens bestätigen)
Dunlop K701F/K 700 (zweite serienmässige Freigabe):
Harmonieren absolut nicht mit der GPZ. Sie waren das unhandlichste Paar im Test und machen aus der GPZ einen widerspenstigen Panzer. Hinzu kommt ein deutliches Wegknicken der Reifenflanke bei Schräglage. Das Motorrad fühlt sich an als ob es auf Plattfüssen schlingert. Überdies ist der Grip ausgesprochen dürftig. Der Reifen ist also denkbar ungünstig für die GPZ 900R und ist sogar gegenüber dem Dunlop F17/K727 um Klassen schlechter.
Metzeler ME33/ME55A:
In der Dimension 120/80 VB16 / 130/80 VB18 überzeugen die Reifen voll und ganz. Sehr gutes neutrales Handling. Sehr homogenes Lenkverhalten. Hervorragender Geradeauslauf. Die 900R liegt damit bei jedem Tempo ausgesprochen ruhig. Dazu kommt ein sehr guter Grip bei Nässe und Trockenheit.
Metzeler ME33 CompK / ME1 CompK:
120/80 VB16 / 140/70 VB18. Das Verhalten dieser Kombination ist praktisch identisch mit der ME33/ME55 Paarung. Lediglich der Hinterreifen baut mit seinem ME1-Profil und der etwas breiteren Aufstandsfläche minimal mehr Grip auf als der 130er ME55. Zumindest im Neuzustand ist auch der Geradeauslauf sehr gut. Es ist allerdings bekannt daß der ME1 mit zunehmendem Verschleiß etwas mehr von seinen guten Fahreigenschaften einbüßt als der ME55.
Metzeler ME33/ME99 A2:
120/80 VB16 / 150/80 VB18. Sind zumindest in der CompK-Ausführung auf der Serienfelge die Gummis die es zu schlagen gilt. Obwohl die sehr schmale hintere Felge (3") für den knapp 150mm ausfallenden ME99 schmächtig ausfällt, verhält sich die Kawa mustergültig. Überhaupt ist der vordere Laser-Reifen im Verein mit dem ME99-Profil hinten ein derart gut eingespieltes Team, daß praktisch keinerlei Schwächen auszumachen sind. Geradeauslauf und Kurvenstabilität tadellos, das Handling kaum einen deut schlechter als mit den schmaleren Hinterreifen, und der Grip sucht seinesgleichen - egal ob auf trockener oder nasser Piste. Es ist deutlich zu merken das dieser Reifen für den Sporteinsatz gebaut wurde.
Michelin A/M 59X:
Überzeugt bei gemächlichem Dahinrollen mit tadellosen Lenk- und Handlingeigenschaften sowie sehr sicherem Geradeauslauf. Solcherart eingeschläfert, machten sich die PS-Tester auf die ersten schnellen Runden und wurden bös überrascht: Bei eher langsamer Fahrt durch die Arembergkurve mit sanftem, entlasteten Zug am Hinterrad knickte Testpilot Ralf Schneider unvermittelt das Vorderrad weg. Nur mit viel Geschick und Glück vermied er einen Sturz. Der Vorderreifen baut bei höherer Kurvengeschwindigkeit zu wenig Seitenführung auf. Heissgefahren besteht stets die Gefahr des Untersteuerns. Das hohe Gewicht und die Fahreigenschaften der GPZ macht die Sache noch gefährlicher. Auch an der Hinterhand riß die Haftung mehrfach unvermittelt und ohne Vorwarnung ab. Einen Grenzbereich im Wortsinn kannte der Reifen nicht. Wer mehr als gemässigtes Tempo anschlägt, schwebt in Sturzgefahr.

 


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